Gynäkologische Meilensteine

Vom Kaiserschnitt bis zur Gebärmuttertransplantation: Durch die Errungenschaften der Gynäkologie und Geburtshilfe wurden im Laufe der Jahrhunderte wahrscheinlich bereits Millionen Frauenleben gerettet. Die wichtigsten Meilensteine sollten alle angehenden GynäkologInnen kennen.

Dass Julius Caesar höchstpersönlich durch einen Kaiserschnitt entbunden wurde, ist ein zweifelhaftes Gerücht, denn obgleich die Schnittentbindung bereits in der Antike an sterbenden oder verstorbenen Müttern als Ultima Ratio durchgeführt wurde, war der Kaiserschnitt bis in die Neuzeit nahezu immer mit dem Tod der Mutter verbunden. Insbesondere moderne Operationstechniken, Antisepsis, Anästhesie und medikamentöse Therapie ließen ihn zu einer extrem sicheren Entbindungsmethode mit einer Müttersterblichkeit im Promillebereich werden. In Teilen der Welt, beispielsweise Lateinamerika, werden heute weit mehr Kinder per Kaiserschnitt als durch eine vaginale Geburt geboren.

Die Einführung der Händedesinfektion in der medizinischen Praxis geht auf den ungarischen Gynäkologen Ignaz Philipp Semmelweis (1818–1865) zurück. Der „Retter der Mütter“ identifizierte mangelnde Händehygiene der Ärzte und des Personals als Grund für das Auftreten von tödlichem Kindbettfieber – ein frühes Paradeexempel für evidenzbasierte Medizin.

Sexualität und Schwangerschaft waren bis Mitte des 20. Jahrhundert unmittelbar miteinander verbunden. Erst nach Entwicklung der Gestagene wurde es möglich, diese enge Verbindung zwischen Sexualität und Reproduktion aufzuheben – vor allem die Entwicklung der „Pille“ (Erstzulassung in USA 1960, in Deutschland 1961) hat dazu geführt, dass sich Menschen bewusst für entspannten Sex ohne Sorgen vor einer Schwangerschaft entscheiden können. Heute gibt es vielfältige hormonelle (und nicht hormonelle) kontrazeptive Methoden! Sichere Kontrazeption bedeutet nicht Schwangerschaften zu vermeiden, sondern bewusst zuzulassen, dass gewollte Schwangerschaften entstehen können.

Angeborene und erworbene Einschränkungen der Fertilität beider Partner aber auch sexuelle Funktionsstörungen können zu unerfülltem Kinderwunsch führen. Erst seit Entwicklung der künstlichen Befruchtung und der Möglichkeit, biologische und synthetische Hormone zur kontrollierten Überstimulation einzusetzen, sind Schwangerschaften auch bei diesen Paaren mit eingeschränkter Fertilität möglich geworden. Der Gynäkologe Patrick Steptoe und der Genetiker Robert Edwards haben in den 1970er Jahren die Technik der in vitro-Fertilisation entwickelt. Als die beiden Wissenschaftler im Jahr 2010 für diese bahnbrechende Entwicklung mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde, waren weltweit schon mehr als 4 Millionen Kinder nach reproduktionsmedizinischen Behandlungen geboren worden.

Begründer der Laparoskopie war der Kieler Gynäkologe Kurt Semm (1927–2003). Der gelernte Instrumentenmacher konstruierte einen automatischen CO2-Insufflator und führte die Thermokoagulation ein, mit der zunehmend auch größere Operationen möglich wurden. 1983 führte er die erste laparoskopische Appendektomie durch. Sein Andenken wird mit dem Kurt-Semm-Preis der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Endoskopie der DGGG e. V. geehrt.

Die „Targeted therapy“ nutzt molekulare Eigenschaften von Tumoren gezielt aus, um ihr Wachstum zu begrenzen und ihr Absterben zu induzieren. Mit dem Antikörper Trastuzumab nimmt die Gynäkologie eine Pionierrolle in der gezielten Krebstherapie ein. Durch Früherkennung, chirurgische Techniken, pharmakologische Therapien und Nachsorge konnte das 5-Jahres-Überleben bei Brustkrebs auf über 90 Prozent gesteigert werden.

Zwar ist die menopausale Hormontherapie Anfang der 2000er Jahre in Verruf geraten, trotzdem ist sie die einzige Möglichkeit menopausale Beschwerden effektiv zu behandeln. Bei individueller Auswahl und Berücksichtigung der Nutzen-Risiko-Analyse kann die Lebensqualität durch eine menopausale Hormontherapie maximal verbessert werden bei gleichzeitig positivem Einfluss auf die Knochendichte.

Rund 16 Prozent aller Krebsfälle werden von Infektionen ausgelöst. Unter den bedeutendsten Erregern ist das Humane Papillomavirus (HPV), das Gebärmutterhalskrebs auslösen kann. Für den Zusammenhang zwischen seiner Entstehung und der Infektion mit HPV erhielt der deutsche Virologe Harald zur Hausen 2008 den Medizin-Nobelpreis. Durch den Einsatz von Impfstoffen gegen HPV konnte die Inzidenz des Tumors bereits dramatisch gesenkt werden.

Mit der ersten erfolgreichen Gebärmuttertransplantation hat Mats Brännström 2012 Medizingeschichte geschrieben. Erstmals gelang es, dass junge Frauen mit einer fremden Gebärmutter gesunde Kinder auf die Welt brachten. Die implantierten Uteri wurden per IVF befruchtet, die Kinder per Kaiserschnitt entbunden. In Deutschland führten GynäkologInnen 2016 zum ersten Mal eine erfolgreiche Transplantation durch. 2019 konnte die Geburt eines gesunden Kindes gefeiert werden.

Gynäkologie macht glücklich

Gynäkologie schafft Perspektiven