Was heißt hier konservativ?

In der Medizin hat der Begriff „konservativ“ nichts mit Politik zu tun. Konservative Gynäkologie steht für die Diagnostik und Behandlung von Erkrankungen des weiblichen Sexual- und Fortpflanzungstraktes mit medikamentösen Therapien und physikalischen Maßnahmen. Ihre Teilgebiete sind Vorsorge, Onkologie, Allgemeine Gynäkologie, Sexualmedizin und Endokrinologie/Reproduktion.

Früh erkennen – Schaden vermeiden

Die Frauenheilkunde zählt zu den Pionierinnen der Vorsorgemedizin. Die gynäkologische Früh­er­ken­nungs­unter­suchung ist zum Beispiel eine echte Erfolgsgeschichte: Allein die Zahl der invasiven Zervixkarzinome ist seit der Einführung des PAP-Abstriches und der modernen Kolposkopie um bis zu 90 Prozent gesunken.

Die erste gynäkologische Früh­er­ken­nungs­unter­suchung wurde 1971 in Deutschland eingeführt. Sie hat seitdem unzähligen Frauen Leid erspart oder sogar das Leben gerettet. Heute beginnt Vorsorge schon im Kindesalter – mit der HPV-Schutzimpfung und der Beratung zur Kontrazeption.

Ab ihrem 20. Geburtstag hat jede Frau das Recht auf eine jährliche gynäkologische Früh­er­ken­nungs­unter­suchung. Ab 30 Jahren kommt zu der zytologischen Untersuchung eine Tastuntersuchung der Brustdrüsen und der regionalen Lymphknoten sowie eine Inspektion der Hautregion an den äußeren Geschlechtsorganen hinzu. Ab 35 Jahren erfolgt zusätzlich ein HPV-Test. Ab 50 Jahren ist die Teilnahme am Mammographie-Screening-Programm zur Früherkennung des Mammakarzinoms alle zwei Jahre möglich.

Neue Therapiechancen nutzen

Die Konservative Gynäko-Onkologie nutzt verschiedene Therapieformen, um Krebserkrankungen zu heilen – neben der klassischen wie zytostatische Chemotherapie auch die spezifischen Therapieformen wie endokrine Therapien, die „Targeted therapy“ mit zielgerichteten Antikörpern oder neuerdings auch die Immuntherapie.

Bei der onkologischen Betreuung von Patientinnen mit gynäkoonkologischen Erkrankungen spielt die „klassische“ Chemotherapie mit Zytostatika immer noch eine wichtige Rolle. Sie ist allerdings mit Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Nervenschmerzen und Blutbildveränderungen verbunden. Ihr Management erfordert breites fachliches Wissen.

Mit zunehmender Personalisierung der Medizin werden die Therapiemöglichkeiten für Tumorpatientinnen individueller. Die etablierte endokrine Therapie wird heute ergänzt durch Antikörper, die an bestimmten Oberflächenmerkmalen von Tumorzellen angreifen. Seit Kurzem können Immuntherapien dem Immunsystem helfen, den Tumor zu erkennen. Neue Behandlungsmöglichkeiten für Gendefekte in Tumoren sind auf dem Vormarsch. Bei sehr weit fortgeschrittenen Krebserkrankungen betreut die Konservative Gynäkologie Patientinnen auch palliativmedizinisch.

Untersuchen, diagnostizieren, heilen

Die Allgemeine Gynäkologie befasst sich mit allen Veränderungen der inneren und äußeren weiblichen Geschlechtsorgane. Mittels Spekulum- und Tastuntersuchung, Abstrichen und Kolposkopie können die meisten allgemeingynäkologischen Krankheitsbilder diagnostiziert werden.

Bei der Allgemeinen Gynäkologie ist der Name Programm: Die meisten Patientinnen kommen mit Blutungsstörungen, chronischen Unterbauch- oder Genitalschmerzen in die Praxis. Ursachen können organisch, mechanisch oder viral bzw. bakteriell bedingt sein. Grundlegend für die Diagnostik und anschließende Behandlung der Patientin ist stets eine umfassende Anamnese. Sie beinhaltet neben Fragen nach gynäkologischen Symptomen auch eine geburtshilfliche, Blutungs- und Sexualanamnese.

Zum Behandlungsspektrum gehören auch akut auftretende Probleme in der Frühschwangerschaft, genitale Infektionen, Hämatome und Abszesse im Genitalbereich. Zysten oder Myome – meist sonografische Zufallsbefunde – bilden sich häufig von selbst wieder zurück. Myome, die bei 20 bis 40 Prozent der gebärfähigen Frauen vorkommen, müssen nur bei Beschwerden oder Größenwachstum operativ entfernt werden. Bei Verdacht auf ein bösartiges Geschehen ist eine weitere operative Diagnostik erforderlich.

Sexualitäts-Know-how

Das Teilgebiet Sexualmedizin verbindet verschiedene medizinische Fachgebiete mit Psychologie, Psychotherapie, Ethik und Sozialpsychologie, um Störungen der menschlichen Sexualität erfolgreich zu behandeln.

Als interdisziplinäres Fach dreht sich in der Sexualmedizin alles um den Erhalt und die Förderung der sexuellen Gesundheit. Dazu gehört die Erkennung und Behandlung sowie Prävention von sexuellen Störungen. Die Sexualmedizin beschäftigt sich mit sexuellen Funktionsstörungen, Störungen der sexuellen Entwicklung der Geschlechtsidentität, der sexuellen Präferenz und der sexuellen Reproduktion.

Sie betrachtet systematisch auch die Paar- und Beziehungsaspekte und versucht, die PartnerInnen in die Therapie mit einzubeziehen. Umfassende Kenntnisse der psychotherapeutischen oder organischen Behandlungsmöglichkeiten der sexuellen Funktion, der Präferenz und der Störung der Geschlechtsidentität sind dafür essenziell.

SpezialistInnen für Wunschkinder

Das Fachgebiet gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin konzentriert sich auf Themen wie Kinderwunsch, Hormonstörungen, Fehlgeburten, Transsexualität und den Erhalt der Fruchtbarkeit nach einer onkologischen Therapie.

Die vielfältigen Behandlungsmöglichkeiten reichen vom Zyklusmonitoring bis zur künstlichen Befruchtung mit Stimulation, Follikelpunktion und Embryotransfer. Auch diagnostische oder therapeutische Operationen wie Hysteroskopien oder Laparoskopien werden durchgeführt. Der Beruf kann in der Praxis wie in der Klinik ausgeübt werden.

Die Weiterbildung dauert aktuell noch 36, demnächst nur noch 24 Monate. Sie vermittelt breites Wissen über hormonelle Zusammenhänge und fertilitätsmindernde Erkrankungen. Der intensive Austausch mit KollegInnen aus Psychosomatik, Gerinnungsphysiologie, Humangenetik, Geburtshilfe, Onkologie, Andrologie, Urologie und internistischer Endokrinologie erweitert den Horizont. Und nicht zuletzt bietet das Fach auch ein breites Feld für Wissenschaft und Forschung.

Geburtshilfe

Operative Gyn

Pränataldiagnostik/Peri­na­to­lo­gie